Sanierung und Erweiterung Nationalbibliothek Bern

Fakten und Zahlen

  • __

    Kunde

    Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL)

  • __

    Baukosten

    CHF 237.5

  • __

    Standort

    Bern, Switzerland.

  • __

    Teilnehmer

    • Bundesamt für Bauten und Logistik BBL
    • ARGE-GP NatBib
    • Christ & Gantenbein AG
    • Drees & Sommer Schweiz AG
    • MetaXD als BIM-Gesamtkoordination
  • __

    Projektvertragswert

    CHF 315000

  • __

    Referenz Kundenname

    Herr Julian Kommer

  • __

    Zeitrahmen

    2024–2033

Projektvisualisierung
Projektvisualisierung

Mit der Sanierung und Erweiterung der Nationalbibliothek Bern entsteht weit mehr als ein klassisches Bauprojekt. Es handelt sich um die Weiterentwicklung eines bedeutenden denkmalgeschützten Bauwerks zu einem zeitgemässen Kultur- und Wissensort – ein Vorhaben, das architektonische Sensibilität, technische Präzision und digitale Koordination auf höchstem Niveau verlangt. Das Projekt folgt der Vision „Forum“ und hat zum Ziel, die traditionsreiche Bibliothek in einen modernen, öffentlich zugänglichen Ort des Austauschs und der Wissensvermittlung zu transformieren.

Die Ausgangslage ist anspruchsvoll: Das Bestandsgebäude aus dem Jahr 1931, ein bedeutendes Beispiel des Neuen Bauens, wird unter strengen denkmalpflegerischen Auflagen umfassend saniert. Dazu gehören die statische Ertüchtigung, insbesondere des markanten Bücherturms, die Erneuerung der Haustechnik sowie die Anpassung der Raumstrukturen an heutige Anforderungen. Gleichzeitig entsteht mit dem unterirdischen Erweiterungsbau im Grundwasserbereich ein komplexer Neubau, der über Lichthöfe an den Bestand angebunden wird. Ergänzend werden auch die bestehenden Tiefmagazine Ost und West technisch instandgesetzt und modernisiert.

Luftbild der Nationalbibliothek Bern
Luftbild der Nationalbibliothek Bern

In einem Projekt dieser Grössenordnung ist eine durchdachte digitale Koordination entscheidend. Genau hier übernimmt MetaXD eine Schlüsselrolle: als BIM-Gesamtkoordination für die ARGE-GP NatBib. In dieser Funktion wirkt MetaXD als zentrale Schnittstelle zwischen dem BIM-Management des Generalplaners und den BIM-Fachkoordinatoren der einzelnen Disziplinen. Ziel ist es, die gewerkeübergreifende Umsetzung der BIM-Ziele sicherzustellen und die Datenqualität sowie Datenkonsistenz über den gesamten Planungs- und Realisierungszeitraum hinweg zu gewährleisten.

Die Leistung geht dabei weit über klassische Modellkoordination hinaus. Zu den zentralen Aufgaben gehören der Aufbau, die Weiterentwicklung und die Administration der CDE-Plattform Revizto, die Gesamtkoordination sämtlicher Fachmodelle sowie die enge Zusammenarbeit mit den BIM-Fachverantwortlichen aller beteiligten Projektverfasser. Hinzu kommen Schulung und Support für Projektbeteiligte, insbesondere bei der Durchführung von Informationsprüfungen mittels IDS. Damit wird BIM nicht nur als Planungsmethode verstanden, sondern als verbindendes Arbeitsinstrument für alle Akteure.

Gesamtkoordinationsmodell auf der Projekt-CDE Revizto
Gesamtkoordinationsmodell auf der Projekt-CDE Revizto

Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit ist die laufende Modellkoordination und Qualitätssicherung. Fachmodelle werden regelmässig in ein Koordinationsmodell zusammengeführt und mit automatisierten Prüfungen auf geometrische sowie informationelle Verträglichkeit kontrolliert. Parallel dazu erfolgt die fortlaufende Überprüfung der Modelle hinsichtlich Geometrie, Alphanumerik und der Einhaltung von BBL-Datenrichtlinien sowie des Elementplans. Diese systematische Qualitätssicherung schafft die Grundlage für belastbare Entscheidungen in Planung und Ausführung.

Auch auf Prozessebene prägt MetaXD die digitale Zusammenarbeit massgeblich. Dazu gehört die Vorbereitung und Leitung der zweiwöchentlichen Digitalen Koordinationssitzungen (DKS) inklusive Protokollierung und Pendenzenmanagement. Zusätzlich wirkt MetaXD an der phasenbezogenen Fortschreibung des BIM-Abwicklungsplans (BAP) mit und erstellt BIM-Status- und Qualitätssicherungsberichte. Mit der Vorbereitung von BIM2Field-Prozessen wird ausserdem die Brücke von der digitalen Planung in die Bauausführung und spätere As-Built-Dokumentation geschlagen.

Bestandsgebäude (Sanierungsbau) und Erweiterungsbau
Bestandsgebäude (Sanierungsbau) und Erweiterungsbau

Besonders bemerkenswert ist die hohe Komplexität des Projekts. Die Koordination bewegt sich im Spannungsfeld zwischen hochmoderner Gebäudetechnik – etwa im Bereich der Klimakategorien für den Kulturgüterschutz – und der sensiblen historischen Bausubstanz des Bücherturms. Gleichzeitig erfordert das Projekt eine enge Abstimmung mit einer Vielzahl von Spezialisten, darunter Fachpersonen aus Brandschutz, Bauphysik und Denkmalpflege, die teilweise nicht modellbasiert arbeiten und Informationen direkt über Datenbanken zuliefern. Gerade in diesem interdisziplinären Umfeld zeigt sich der Mehrwert einer klar strukturierten BIM-Gesamtkoordination.

Die Nutzung von Revizto als cloudbasierte Kollaborationsplattform verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Sie ermöglicht ein effizientes Issue-Tracking, eine direkte Anbindung an Autorensysteme und eine transparente Zusammenarbeit über Disziplingrenzen hinweg. So wird aus einer Vielzahl einzelner Beiträge ein konsistentes, koordiniertes Gesamtbild – eine Grundvoraussetzung für ein Projekt, das Bestand, Erweiterung, Technik und Betrieb in Einklang bringen muss.

Mit der Sanierung und Erweiterung der Nationalbibliothek Bern entsteht damit nicht nur ein architektonisch und kulturell bedeutendes Vorhaben, sondern auch ein starkes Beispiel dafür, wie digitale Gesamtkoordination den Umgang mit komplexen Bestands- und Infrastrukturprojekten neu definiert. Das Projekt zeigt eindrücklich, wie sich historische Substanz, moderne Technik und BIM-gestützte Zusammenarbeit zu einer zukunftsfähigen Gesamtvision verbinden lassen.